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WM-Tickets: Countdown zur Datensammlung

2005-01-31 00:00:00, wetterfrosch

Morgen ist es soweit: Die große FIFA-Datensammlung geht in die erste Runde. Fußballfans haben ab 1. Februar 2005 die Möglichkeit, sich nach der Angabe von vielfältigen persönlichen Daten inklusive Personalausweis-, Telefon- und Kreditkartennummer für ein WM-Ticket bewerben zu können – die WM selbst findet erst im Jahr 2006 statt. Da nach Einschätzung der FIFA die Nachfrage an Eintrittskarten das Angebot deutlich überschreiten wird, verspricht die Datensammlung eine außerordentlich ergiebige Angelegenheit zu werden.

Denn nicht nur die rund drei Millionen Auserwählten, deren Bewerbung um ein WM-Ticket mit RFID-Schnüffelchip-Technologie erfolgreich war, werden erfaßt, sondern alle Interessenten, die ihre Daten in das Webinterface eingegeben haben. Ein schöner Nebeneffekt für die FIFA ist dabei, daß sie die anfallenden Datenmengen für Werbezwecke benutzen dürfen – Widerspruch dagegen ist nur kompliziert auf dem Postweg möglich. Die FIFA möchte durch die Personalisierung von Tickets bekannte Hooligans von der WM fernhalten sowie den Schwarzmarkthandel unterbinden. Laut Meldung des Newstickers 'Heise Online' sollen die persönlichen Daten auf die RFID-Chips geschrieben werden, um Fälschungen zu verhindern.

"Die veranstaltungstreuen Fußballfans werden zu den ersten gehören, die sich der Datensammeltollwut von Großunternehmen in Verbindung mit Schnüffelchips beugen müssen", bemerkt Matthias Mehldau vom CCC. Probleme sieht er vor allem bei der Verbindung von persönlichen Angaben und RFID-Technologie. "Alle Personen, deren Daten – insbesondere die Personalausweisnummer – sich bis zum Veranstaltungsdatum ändern, müssen sich auf Probleme einstellen. Auch eine Weitergabe der Tickets an Freunde und Verwandte dürfte damit ausgeschlossen sein." Erschreckend sei auch das Selbstverständnis, mit dem die FIFA die Datensammelei als Innovation verkauft, so Mehldau weiter. "Unter dem Vorwand, die WM zu einer sicheren Veranstaltung zu machen, greift die FIFA massiv in die Privatsphäre der Fußballfans ein. Bei der Internet-Registrierung müssen mehr Daten angegeben werden als beim Einwohnermeldeamt."

Der FoeBuD hat zum Thema eine Presseerklärung von Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), veröffentlicht.

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