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130 Vorträge, 20 Workshops: Der Chaos Computer Club lädt nach Berlin

2006-12-21 00:00:00, presse

Vom 27. bis zum 30. Dezember findet am Alexanderplatz in Berlin der 23. Chaos Communication Congress (23C3) statt. Veranstaltet vom Chaos Computer Club (CCC) werden innerhalb von vier Tagen 130 Vorträge, dutzende Workshops und ein dichtes Rahmenprogramm rund um die Uhr im Berliner Congress Center (bcc) stattfinden.

Die Keynote hält dieses Jahr John Perry Barlow. Ursprünglich als Texter der berühmten Band "Grateful Dead" bekanntgeworden, hat Barlow sich als Mitbegründer der EFF in der Netzwelt einen Namen gemacht. Die EFF beschäftigt sich mit Bürgerrechten in der digitalen Welt, so ist sie etwa Initiatorin der "Blue Ribbon Campaign", mit der für freie Meinungsäußerung im Cyberspace demonstriert wird. Wie auch das diesjährige Congressmotto steht Barlows Keynote unter dem Titel "Who can you trust?".

Der "Wahlcomputer-Hack" wird auf dem 23C3 ausführlich diskutiert werden. Rop Gonggrijp wird am ersten Tag über die Folgen des Hacks berichten. Im Oktober wies eine Gruppe von Mitgliedern des CCC in Kooperation mit holländischen Hackern um Gonggrjip gravierende Sicherheitslücken bei Wahlcomputern der Firma Nedap nach. Diese oder bauähnliche Wahlcomputer wurden bereits mehrfach in Holland, Deutschland, Frankreich und Irland bei National- und Kommunalwahlen eingesetzt. Die Ergebnisse riefen ein internationales Medienecho hervor. Auch eine Bürgermeisterwahl in Cottbus war direkt von den Erkenntnissen betroffen. Die Cottbusser entschieden sich in der Folge gegen den Kauf der Nedap-Wahlcomputer.

Ulrich Wiesner wird anschließend in seinem Vortrag "Hacking the Electoral Law" über den Fortgang seines Einspruches gegen die Verwendung von Wahlcomputern bei der Bundestagswahl in Deutschland berichten.

Gleich mehrere Vorträge beschäftigen sich mit dem dramatisch fortschreitenden Verlust von Bürgerrechten. Ob Informationen zur Vorratsdatenspeicherung, zur Verwendung von Biometrie in Ausweisdokumenten, zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte – die aktuell von der Politik geplanten technischen Großabenteuer kommen auch dieses Jahr nicht zu kurz.

Doch auch das Hacken wird natürlich wieder Thema sein: So werden unter anderem Felix Domke und Michael Steil ihre neuesten Erkenntnisse zur Xbox 360, der Playstation 3 und Wii vorstellen. Der Vortrag der beiden Referenten auf dem letztjährigen Congress zu Sicherheitslücken der Xbox wurde von großem Medienecho begleitet, ermöglichten die gefundenen Sicherheitslücken doch die Installation des freien Betriebssystems Linux auf der Microsoft-Spielekonsole. Die diesjährigen Ausführungen versprechen ebenfalls Spannendes.

Neue Sicherheitslücken in Web2.0-Applikationen werden von Giorgio Fedon und Stefano Di Paola vorgestellt. Jacob Appelbaum und Ralf-Philipp Weinmann berichten über neueste Sicherheitsanalysen bei FileVault, der Festplattenverschlüsselung von Apple.

Im Projektbereich wird es unter anderem einen Vortrag von Christian Daniel und Thomas Kleffel zum Selbstbau eines kompletten DVB-T-Senders geben. DVB-T ist der neue Standard für digitales Antennenfernsehen, der in einigen Gebieten in Deutschland schon eingesetzt wird. Parallel zum Vortrag wird es auch ein congressbegleitendes Projekt geben, das alle Vorträge live über DVB-T übertragen wird. Jeder Teilnehmer kann so überall in und am bcc mit seinem Laptop oder anderen Empfangsgeräten die Vorträge verfolgen, benötigt wird lediglich ein DVB-T-Empfänger. Das Projekt "Sputnik" demonstriert auf dem 23C3 spielerisch, wie gut heute technische Überwachung realisierbar ist – auf Basis von RFID-Technik können sich Besucher innerhalb des Veranstaltungsgebäudes orten lassen. Die Sputnik zugrundeliegende Technik wird auf dem Congress unter einer freien Lizenz veröffentlicht, so daß der Spaß am Gerät für interessierte Hacker garantiert nicht zu kurz kommt.

Der US-amerikanische Juraprofessor Lawrence Lessig wird einen Vortrag über Vertrauen und Kontrolle im Cyberspace halten. Lessig ist Gründer der Creative-Commons-Initiative, erfolgreicher Buchautor und lehrt an der Universität Stanford am Center for Internet and Society.

Juristisches kommt ebenfalls nicht zu kurz: Der in der deutschen Blogosphäre bekannte Anwalt für Strafrecht, Udo Vetter, wird über die Thematik Hausdurchsuchung und Hardwarebeschlagnahme einen groben Überblick geben. Die neuen Pläne zur Änderung des Strafrechts bei der Verwendung von sogenannten "Hackertools" wird ebenfalls diskutiert werden. Peter Voigt wird hier über die praktischen Auswirkungen der aktuell geplanten Strafrechtsänderung berichten. Auch juristische Fragen der Mitbenutzung fremder WLANs werden in einem eigenen Vortrag diskutiert.

Das komplette Vortragsprogramm des 23C3 findet sich unter http://events.ccc.de/congress/2006/Fahrplan

Über den Chaos Communication Congress

Der Chaos Communication Congress ist ein jährlich stattfindender Fachkongreß über Computertechnik und -sicherheit, Datenschutz, die Auswirkungen der Technik auf die Gesellschaft als auch ein Treffen der Freunde der Hackerkultur. Er wird vom Chaos Computer Club e. V. organisiert.

Nach dem berühmten "BTX-Hack" des Chaos Computer Clubs im Jahr 1984 wurde der Ruf nach einer Veranstaltung laut, um sich über die Technik, den Hack und weitere Themen auszutauschen. So wurde in der Zeit "zwischen den Jahren", vom 27. bis 29. Dezember 1984, das Eidelstedter Bürgerhaus in Hamburg angemietet und der erste Chaos Communication Congress ausgetragen. Etwa 300 Personen und einige Presseteams fanden den Weg zu dieser Veranstaltung.

In den folgenden Jahren wuchs die Teilnehmerzahl des Congress immer stärker an, bis das Eidelstedter Bürgerhaus 1997 mit mehr als 600 Personen aus allen Nähten platzte. Dem Geist der Zeit entsprechend, wanderte der Congress in die Hauptstadt Berlin, genauer gesagt in das Haus am Köllnischen Park. Es war hier erstmals möglich, mehrere Vortragstracks parallel stattfinden zu lassen, was sich in steigenden Teilnehmerzahlen zwischen 2.500 und 3.500 Personen niederschlug.

Nach Stilllegung des Haus am Köllnischen Park als Veranstaltungszentrum im Jahr 2003 bot sich dem Chaos Computer Club die Möglichkeit, das Berliner Congress Center (bcc) am Alexanderplatz zu nutzen.

Heute ist der Chaos Communication Congress eine Konferenzveranstaltung mit mehreren Vortragsreihen und einem Laborbereich zum Ideenaustausch von Hard- und Software-Entwicklern. Nicht zuletzt ist der Congress auch weiterhin die größte Hackerparty Europas mit Kulturprogramm aus dem Cyberspace.

Presse

Vertreter der Presse sind auf dem Congress herzlich willkommen. Allerdings bitten wir um eine Registrierung, nähere Informationen hierzu finden sich auf den Seiten des Congress. Für Vorabinformationen steht Ihnen das Presseteam jederzeit zur Verfügung – es ist per E-Mail über 23C3-press@cccv.de und telefonisch unter der Rufnummer +49 157/738 242 67 erreichbar. Eine Pressekonferenz zum Veranstaltungsauftakt findet am 27. Dezember um 9:30 Uhr in Saal 2 des bcc statt.

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